ALH = Abendländische Heilkunde
UFD = Urinfunktionsdiagnostik

Urin gehört neben Blut zu den komplexesten Körperflüssigkeiten. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war die Beurteilung des Urins das wichtigste Diagnoseverfahren für Mediziner, offenbart der Urin doch den „inneren Chemismus“ des Körpers. In einer jüngeren Studie (9/2013) haben Forscher der University of Alberta, Edmonton in Kanada über 3000 verschiedene Inhaltsstoffe im Urin identifiziert. Die alte Harnschau (Urinfunktionsdiagnostik) der Abendländischen Heilkunde soll uns auf eine besondere Weise Aufschluß über den Zustand unserer inneren Organe ebenso wie über ihr Zusammenwirken hinsichtlich unserer geistig-seelischen Verfassung geben.

Der Arzt und Physiologe Dr. Gustav Hartung (1868 – 1928) sagte: „Der Urin ist der Spiegel des inneren Chemismus und der innere Chemismus ist der Ausdruck in der Harmonie der Funktionen der einzelnen Organe. Deshalb werden wir durch die gründliche Beobachtung alles dessen, was im Urin zum Ausdruck kommt, am leichtesten im Stande sein, den Organismus zu beurteilen.“ Dem stimmen wir aus der Sicht der Naturheilkunde heute noch zu.

 

Möchten Sie wissen, was Ihr Urin über Ihre Organfunktionen und Ihren Gesundheitszustand aus naturheilkundlicher Sicht aussagt?

Die Abendländische Heilkunde bietet uns hierzu das wertvolle Instrument der „alten Harnschau“, heute bekannt als Urinfunktionsdiagnostik = UFD.

Ablauf:
Vereinbaren Sie einen Termin zur Urinabgabe an einem Labortag.
Es genügen ca. 50 ml erster Morgenurin (kein Mittelstrahlurin), aufgefangen in einem äußerst sauberen Glas mit Schraubdeckel oder einem Uringefäß aus der Apotheke. Am gleichen Vormittag bringen Sie den Urin ungekühlt in die Praxis, er wird noch an diesem Tag gekocht, untersucht und ausgewertet.

Das Ergebnis wird in einem separaten ausführlichen Beratungsgespräch erörtert. Je nach Notwendigkeit werden individuell auf Ihren Befund abgestimmte naturheilkundliche Medikamente verordnet.

Diese Methode, oft auch als Urinfunktionsdiagnostik bezeichnet, stammt ursprünglich aus der evidenzbasierten Medizin, landläufig Schulmedizin genannt. Dort wurde sie aber zugunsten der verfeinerten laborchemischen Verfahren aufgegeben und findet sich heute primär in der Naturheilkunde. Sie leistet mir aus meiner Sicht aber hervorragende Dienste in der orientierenden Diagnostik, erstes Screening.

 

Die Wurzeln der Naturheilkunde im Abendland

Die Geschichte der Abendländischen Heilkunde ist mindestens 2500 Jahre alt, möglicherweise noch viel älter. Während in der Antike Medizin und Religion noch eng verbunden waren (Krankheit ist ein Werk von Dämonen oder die Strafe Gottes für Fehlverhalten), so veränderte sich mit dem berühmten griechischen Arzt Hippokrates (460 bis 370 v.Chr.) die Medizintheorie grundlegend: er räumte mit den alten religiösen Anschauungen auf und übertrug die Vier-Elemente-Lehre auf den menschlichen Körper. Dies erforderte genaueste Beobachtungen des Menschen, seiner Erscheinung, seiner Konstitution sowie seiner Ausscheidungen. Auf dieser Grundlage entwickelte sich die sogenannte Viersäftelehre, so wie sie später von dem griechischen Arzt Galen (129 bis 216 n.Chr.), Hildegard von Bingen (1098 bis 1179 n.Chr.) oder Paracelsus (1493 bis 1571 n.Chr.) gelehrt und ausführlich beschrieben wurde.

 

Verschiedene Denkmodelle der Medizin

Jede medizinische Anschauung, sei es die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), die aus Indien stammende Ayurvedische Medizin, die Humoralmedizin, die neuzeitliche Anthroposophische Medizin oder auch die heutige, auf Rudolf Virchows Zellularpathologie zurückgehende Schulmedizin basiert auf einem Denkmodell. Alle Denkmodelle haben Vorteile und Schwachstellen gleichermaßen, weshalb für den Patienten der größtmögliche Nutzen dann entsteht, wenn die verschiedenen Modelle interdisziplinär im kollegialen Austausch zur Anwendung kommen. Das setzt gegenseitige Achtung und Kenntnis voraus.

 

Der gemeinsame und getrennte Weg von Naturheilkunde und Schulmedizin

Das Denkmodell der Viersäftelehre = Humoralmedizin war gängige akademische Medizintheorie bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Schrieb man sich damals an der Universität im Fach Medizin ein, so schrieb man sich in einem Fach der Geisteswissenschaften ein.

Durch den Arzt Rudolf Virchow änderte sich dies. Er war der erste, der den Bau und die Funktion der Zelle, der kleinsten Baueinheit des Lebens, gründlich untersuchte und erforschte und seine Erkenntnisse in 20 berühmten Vorlesungen bekannt machte. Er prägte den Satz: „Die Ursache der Krankheit ist in der pathogen (krankhaft) veränderten Zelle zu suchen.“

Seine Theorie nannte er deshalb Cellularpathologie. Damit revolutionierte er die gesamte medizinische Wissenschaft. Anfangs ließ er Humoralpathologie und Zellularpatholgie nebeneinander gelten, in seinen späteren Jahren verwarf er jedoch die Humoralpathologie gänzlich und legte damit den Grundstein für unsere heutige Schulmedizin unter gleichzeitiger Ablehnung der Naturmedizin. Hier entstand die Forderung der heutigen Naturwissenschaft nach Zähl- und Messbarkeit. Die Humoralpathologie verschwand weitgehend aus der akademischen Medizinlehre, und verbleibt nur noch partiell in der Naturheilkunde. Wer sich seitdem an der Universität im Fach Medizin einschreibt, schreibt sich bei den Naturwissenschaften ein.

So können wir zusammenfassend sagen, dass die heutige Schulmedizin auf naturwissenschaftlich untersuchten Prinzipien beruht, die wenig Spielraum für geisteswissenschaftliche Zusammenhänge läßt.

Die Naturheilkunde hingegen beruht zumindest zu einem großen Teil auf den Prinzipien der Geisteswissenschaften, sie entzieht sich zu einem guten Teil partiell jeder naturwissenschaftlichen Überprüfung und wurde in den letzten 80 – 100 Jahren in Deutschland vornehmlich von Heilpraktikern ausgeübt.

In den letzten Jahrzehnten standen sich Schulmedizin und Naturheilkunde teilweise in erbitterter Feindschaft gegenüber, mindestens jedoch in gegenseitiger stiller Verachtung. Erst in den letzten 10 – 20 Jahren interessieren sich immer mehr Schulmediziner für die Naturheilkunde und streben ein sinnvolles, gleichberechtigtes und sich ergänzendes Nebeneinander von Schulmedizin und Naturheilkunde an. Eine friedliche Koexistenz und Kooperation könnte möglich sein, ist aber nach wie vor ungewiss.

Meine persönlichen Einsichten sind getragen von dem Ziel gegenseitiger Anerkennung und Achtung beider Medizinrichtungen. Wer z.B. schon einmal einen Unfall hatte und chirurgische Wiederherstellung erfahren hat, weiß die hervorragenden Leistungen unserer heutigen Medizin zu schätzen. Während noch vor 100 Jahren eine Blinddarmentzündung in den allermeisten Fällen tödlich ausging, ist die Sterblichkeit dank Hygiene und Chirurgie auf unter 0,1 % gesunken. Es gilt also, auch diese Leistungen anzuerkennen.

Dennoch ist der Mensch nach wie vor ein Naturkörper, wie wir glauben, der von den – humoralpathologisch beschriebenen – wechselseitigen Naturprinzipien wie Rhythmus, Kälte und Wärme, Feuchte und Trockenheit, Bewegung, Fühlen und Denken u.v.m. (siehe unten) als geistige Prozesse belebt ist. Jedes Gefühl beansprucht den Körper, bildet und beeinflusst ihn, nährt und tötet ihn. Körper, Geist und Seele sind untrennbar miteinander verbunden. Sie getrennt zu betrachten und zu behandeln ist ein großer Nachteil der Schulmedizin.

Die Heilpraktiker in Deutschland haben ihre Wurzeln ursprünglich in der Humoralpathologie, wissen dies aber oft nicht mehr, da die Humoralpathologie kaum noch gelehrt wird. In meinen Fachfortbildungen für Heilpraktiker und Apotheker gebe ich dieses Wissen gerne weiter.

 

Humoralpathologie = Krankheitslehre der Humoralmedizin

Sie beruht auf der Ansicht, dass in unserem Körper vier Säfte fließen – sowohl materiell als auch geistig -, die immer im rechten Maß vorhanden sein und in der rechten Geschwindigkeit fließen sollen: nicht zu viel und nicht zu wenig, nicht zu schnell und nicht zu langsam. Diese Säfte, lateinisch humores, heißen:

  • Phlegma, der Schleim, dem Element Wasser zugeordnet, mit der Qualität feucht und kalt
  • Sanguis, das Blut, dem Element Luft zugeordnet, mit der Qualität feucht und warm
  • Chole, die Gelbgalle, dem Element Feuer zugeordnet, mit der Qualität trocken und warm
  • Melanchole, die Schwarzgalle, dem Element Erde zugeordnet, mit der Qualität trocken und kalt

Das Fließen der Säfte wird sowohl durch äußerliches Verhalten wie Lebensweise, Ernährungrhythmus und Nahrungszusammensetzung wie auch durch inneres Verhalten, nämlich Gedanken und Gefühle, beeinflusst. Um dieses innige Zusammenwirken geht es auch, wenn von der sog. Einheit von Körper, Seele und Geist die Rede ist: sie sind untrennbar miteinander verbunden und beeinflußen sich ununterbrochen gegenseitig (siehe oben). Gedanken und Gefühle lösen  biochemische Prozesse aus. Jedes Körpergefühl wirkt sich auf unsere Emotionen aus und diese wiederum auf die Zusammensetzung und Beschaffenheit unserer Körpersäfte.

Deshalb vermögen unsere Körpersäfte nicht nur physikalische und chemische Informationen zu transportieren, sondern sehr viel mehr. Sie lassen auf den ganzen Menschen schließen, um anschließend seine Schwachpunkte zu stärken und seine Überbetonungen zurückzunehmen. Für dieses Vorgehen stehen uns in der Naturheilkunde viele verschiedene therapeutische Ansätze unterschiedlichster Qualitäten zur Verfügung. Nähere Informationen zu meinen Therapien erfahren Sie unter dem Button „Therapien“.

Selbstverständlich arbeite ich nicht ausschließlich nach der Lehre der Humoralpathologie, sondern bin ebenso in den Methoden der modernen evidenzbasierten Medizin geschult und wende diese auch bei Bedarf an. Aber einen guten Naturheilkundler zeichnet aus, dass er in beiden Welten zuhause ist und dieses komplexe Wissen souverän anwendet.